Gefahren für die pharmazeutische Lieferkette

Bedrohungen durch
Arzneimittelfälschungen

Die Bedrohung durch Arzneimittelfälschungen ist allgegenwärtig und eine internationale Herausforderung für alle Beteiligten der pharmazeutischen Lieferkette. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass in Industrieländern bis zu sieben Prozent und in Entwicklungsländern 30 bis 70 Prozent aller Medikamente Fälschungen sind. Da die Gewinnspannen höher sind als beim Handel mit Drogen wie Heroin oder Kokain, sind zunehmend auch weltweit operierende Fälschersyndikate involviert. Betroffen sind alle Darreichungsformen, also Tabletten, Infusionen, Spritzen, Salben und Lösungen und dies unabhängig von einer Verschreibungspflicht. Dies bedeutet eine große Gefahr für die Sicherheit der Patienten. Fälschungen sind insbesondere in Entwicklungsländern in Afrika und Asien sowie durch das verstärkte Aufkommen von Internetapotheken verbreitet. Die legale Vertriebskette wird entweder umgangen oder deren Komplexität ausgenutzt, um Produkte einzuschleusen, die hinsichtlich ihrer Identität, ihrer Inhaltsstoffe oder ihrer Herkunft gefälscht sind. 

Methoden der Fälscher und
ganzheitliche Gegenmaßnahmen

Betrüger greifen dabei zu unterschiedlichen Methoden. Fälscher stellen beispielsweise immer professioneller detailgetreue Kopien von Verpackungen her und bestücken diese mit wirkungslosen, manchmal sogar gesundheitsschädlichen Imitaten. Im Jahr 2015 beschlagnahmten die deutschen Zollfahnder 150.166 gefälschte Arzneimittel im Wert von 1,01 Millionen Euro, das entspricht einem Zuwachs von 26% im Vergleich zum Vorjahr. Dabei werden nur zwei Prozent aller Waren tatsächlich bei der Einfuhr kontrolliert. Betroffen sind die gesamte Produktpalette der Hersteller und alle Vertriebsarten, von Online über Großhandel bis hin zur Apotheke. Effektive Maßnahmen zum Fälschungsschutz sollten daher immer einen ganzheitlichen Ansatz in Bezug auf Produkt- und Patientensicherheit zugrunde legen. Erforderlich ist hierzu beim jeweiligen Pharmahersteller ein strategisches Sicherheitsmanagement auf Unternehmensebene.